Das Problem ist nicht, dass es keine guten Hausverwaltungen mehr gibt. Das Problem ist, dass viele gute Hausverwaltungen nicht jedes Objekt übernehmen wollen. Genau deshalb schreiben Eigentümer teilweise zehn oder 15 Verwaltungen an – und erhalten trotzdem kaum Angebote.

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Der Markt hat sich verändert: Viele etablierte Verwaltungen sind gut ausgelastet und können sich ihre neuen Mandate aussuchen. Das VDIV-Branchenbarometer 2026 beziffert das deutlich – 62,1 Prozent der befragten Verwaltungen bezeichnen sich als überlastet, und nur 14,2 Prozent prüfen überhaupt noch sämtliche Anfragen neuer Eigentümergemeinschaften. Gleichzeitig suchen Eigentümer häufig ausgerechnet bei den Unternehmen, die besonders sichtbar und erfolgreich sind und deshalb besonders viele Anfragen erhalten.

Seit 2009 unterstützen wir Eigentümer und Eigentümergemeinschaften bei der Suche nach neuen Hausverwaltungen und sehen dabei beide Seiten des Marktes: die Nachfrage der Eigentümer und die Aufnahmebereitschaft der Verwaltungen. Welche Gründe tatsächlich hinter Absagen, zögerlichen Rückmeldungen und auffällig hohen Angeboten stecken – und wie Sie Ihre Chancen bei der Verwaltersuche deutlich verbessern –, zeigt dieser Artikel der Reihe nach.

Quelle: VDIV-Branchenbarometer 2026

Gute und passendende Hausverwaltung finden:

Aus unserer täglichen Vermittlungspraxis mit Hausverwalter-Vermittlung.de ist deshalb nicht nur die Frage entscheidend: „Welche gute Hausverwaltung gibt es in meiner Region?“

Wichtiger ist: Welche gute Hausverwaltung passt zu meinem Objekt – und möchte genau ein solches Objekt aktuell übernehmen?

1. Der Markt hat sich gedreht: Hausverwaltungen können heute auswählen

Eigentümer stellen sich die Suche häufig noch wie einen klassischen Dienstleistervergleich vor: Mehrere Unternehmen werden angefragt, einige Angebote eingeholt und anschließend wird entschieden, welcher Anbieter fachlich und preislich am besten passt. In vielen Regionen funktioniert der Markt inzwischen anders. Bevor eine Hausverwaltung ein Angebot erstellt, prüft sie zunächst selbst, ob sie das Mandat überhaupt übernehmen möchte.

Dabei zählen nicht nur die Einheiten. Relevant sind das Gesamtpaket aus Objektgröße, Lage, Verwaltungsaufwand, technischem Zustand, erwarteter Vergütung und vorhandener Mitarbeiterkapazität. Ein neues Objekt bringt zusätzlichen Umsatz, bindet aber zugleich Personal und erzeugt neue organisatorische Strukturen. Professionell geführte Verwaltungen steuern ihren Bestand deshalb stärker nach Wirtschaftlichkeit, Kapazität und Passung.

Dieser Wandel zeigt sich auch bei bestehenden Mandaten. Nach dem VDIV-Branchenbarometer 2026 wollen 57,1 Prozent der befragten Unternehmen besonders zeitaufwendige und 49,5 Prozent unrentable Mandate abgeben. Eine Absage bei einer Neuanfrage bedeutet daher nicht automatisch, dass die Gemeinschaft problematisch oder die Verwaltung vollständig ausgelastet ist. Häufig passt das Objekt schlicht nicht gut genug in die aktuelle Unternehmensstrategie.

Quelle: VDIV-Branchenbarometer 2026

2. Viele Eigentümer suchen ausgerechnet bei den falschen Verwaltungen

Einer der interessantesten Effekte des heutigen Marktes entsteht bereits am Anfang der Suche. Wer eine Hausverwaltung benötigt, sucht meist im Internet nach „Hausverwaltung + Stadt“, fragt Bekannte oder orientiert sich an Unternehmen, deren Namen in der Region bekannt sind. Dadurch geraten automatisch besonders sichtbare Verwaltungen in den Fokus.

Das sind häufig Unternehmen mit professioneller Website, vielen Bewertungen, größerem Mitarbeiterstab und einem bereits umfangreichen Verwaltungsbestand. Aus Eigentümersicht spricht zunächst viel dafür, genau dort anzufragen. Aus Marktsicht entsteht jedoch ein Widerspruch: Die am besten sichtbaren Hausverwaltungen sind häufig gerade diejenigen, die am wenigsten darauf angewiesen sind, jedes neue Objekt anzunehmen.

Das zeigt sich in unseren Vermittlungen regelmäßig. Eigentümer berichten beispielsweise, dass sie bereits zehn oder mehr Verwaltungen kontaktiert hätten. Bei genauerer Betrachtung wurden jedoch fast ausschließlich große oder bekannte Unternehmen angeschrieben. Eine kleinere Verwaltung zwei Straßen weiter oder ein junges Unternehmen mit erfahrenen Mitarbeitern wäre möglicherweise sehr interessiert gewesen, taucht bei Google aber erst weit hinten auf oder ist Eigentümern überhaupt nicht bekannt.

Viele Anfragen bedeuten nicht automatisch eine breite Marktabfrage. Wer 15 Unternehmen desselben Verwaltertyps anschreibt, hat den Markt nicht zwingend besser abgedeckt als jemand, der vier oder fünf gezielt passende Verwaltungen erreicht.

3. Kleine Eigentümergemeinschaften haben ein echtes wirtschaftliches Problem

Besonders deutlich zeigt sich die Marktlogik bei kleinen WEG. Viele Leistungen einer Hausverwaltung fallen unabhängig davon an, ob eine Gemeinschaft sechs, 20 oder 80 Wohnungen umfasst. Auch eine kleine Gemeinschaft benötigt unter anderem eine Buchhaltung, einen Wirtschaftsplan, eine Jahresabrechnung, eine Eigentümerversammlung, Zahlungsverkehr, Versicherungsverwaltung, Beschlussumsetzung und laufende Eigentümerkommunikation. Natürlich verursacht eine große Wohnanlage insgesamt mehr Aufwand. Der Verwaltungsaufwand steigt aber nicht proportional mit der Zahl der Einheiten.

Genau deshalb ist die häufig gestellte Frage „Was kostet eine Hausverwaltung pro Einheit?“ bei kleinen Gemeinschaften nur eingeschränkt sinnvoll.

Der Markt zieht daraus längst Konsequenzen. Nach dem VDIV-Branchenbarometer 2026 wollen 31 Prozent der Verwaltungen kleinere Objekte aus ihrem Bestand abgeben; 21 Prozent nehmen neue Objekte künftig nur noch ab einer bestimmten Mindestgröße auf – im Mittel rund 16 Einheiten.

3.1 Ein einfaches Rechenbeispiel

Eine WEG mit fünf Einheiten zahlt 35 Euro je Einheit und Monat. Der Umsatz der Verwaltung beträgt damit 175 Euro monatlich. Selbst bei 45 Euro je Einheit wären es lediglich 225 Euro monatlich beziehungsweise 2.700 Euro im Jahr. Von diesem Umsatz müssen sämtliche internen Kosten der Verwaltung getragen werden. Gleichzeitig müssen für die Gemeinschaft trotzdem eine Jahresabrechnung, ein Wirtschaftsplan und eine Eigentümerversammlung erstellt beziehungsweise durchgeführt werden.

Deshalb arbeiten viele Verwaltungen bei kleinen Objekten mit Mindestvergütungen. Die Verwalterentgeltstudie 2026 von BVI, IVD und CRES bestätigt diesen Größeneffekt. Bei neuen Verträgen in der WEG-Verwaltung liegen die durchschnittlichen Basissätze abhängig von der Objektgröße zwischen 29,75 Euro und 47,60 Euro brutto je Einheit und Monat. Bei Anlagen mit mehr als 99 Einheiten liegen die durchschnittlichen Basissätze rund 38 Prozent unter denen von Anlagen mit maximal zehn Einheiten. Der mittlere Mindestumsatz beträgt 357 Euro brutto je Objekt und Monat.

Quelle: Verwalterentgeltstudie 2026 (BVI/IVD/CRES)

Bei kleinen WEG ist deshalb nicht der Preis je Einheit die entscheidende Kennzahl, sondern der notwendige Mindestumsatz für das Gesamtobjekt. Eine Verwaltung, die für eine kleine Gemeinschaft 60 oder 70 Euro je Einheit verlangt, muss nicht automatisch teuer sein. Der hohe Einheitspreis kann schlicht daraus entstehen, dass sich der notwendige Grundaufwand auf sehr wenige Wohnungen verteilt.

4. Größe allein reicht nicht: Entscheidend ist der tatsächliche Aufwand

Auch die Zahl der Einheiten ist nur ein erster Anhaltspunkt. Zwei WEG mit jeweils 30 Wohnungen können für eine Verwaltung wirtschaftlich völlig unterschiedlich sein. Das eine Objekt ist technisch gut gepflegt, die Unterlagen sind vollständig und größere Sanierungen stehen zunächst nicht an. Beim zweiten Objekt bestehen vielleicht ein erheblicher Sanierungsstau, mehrere Versicherungsschäden, offene Forderungen, ungeklärte Beschlüsse und laufende Rechtsstreitigkeiten.

Formal verwaltet die Hausverwaltung in beiden Fällen 30 Einheiten. Tatsächlich kann das zweite Objekt jedoch ein Vielfaches an Mitarbeiterzeit beanspruchen. Professionell geführte Verwaltungen achten deshalb zunehmend auf eine Kennzahl, die Eigentümer von außen kaum sehen: Wie viel Arbeitszeit benötigt dieses Mandat im Verhältnis zur erzielbaren Vergütung?

Das ist auch ein Grund, warum pauschale Preisvergleiche schwierig sind. Eine gut organisierte WEG mit 30 Einheiten kann zu einem bestimmten Honorar attraktiv sein, während eine gleich große Gemeinschaft mit erheblichen Problemen für denselben Preis wirtschaftlich nicht sinnvoll zu betreuen ist. Ein Sanierungsstau oder ein schwieriges Objekt bedeutet dabei keineswegs automatisch, dass keine gute Verwaltung gefunden werden kann. Die Anforderungen müssen nur realistisch benannt und wirtschaftlich abgebildet werden.

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5. Problemobjekte: Die neue Verwaltung übernimmt oft auch die Vergangenheit

Besonders schwierig wird die Verwaltersuche, wenn über längere Zeit Probleme liegen geblieben sind. Typische Fälle sind fehlende Jahresabrechnungen, nicht umgesetzte Beschlüsse, unklare Buchhaltungsbestände, offene Versicherungsschäden, hohe Hausgeldrückstände oder eine umfangreiche Sanierung, die eigentlich längst hätte begonnen werden müssen. Die neue Hausverwaltung übernimmt dann keinen normalen Verwaltungsbestand. Sie übernimmt zunächst ein Aufarbeitungsprojekt.

5.1 Typischer Praxisfall

Eine WEG mit 20 Einheiten sucht eine neue Verwaltung. Auf den ersten Blick handelt es sich um ein überschaubares Objekt. Bei näherer Prüfung zeigt sich jedoch, dass zwei Jahresabrechnungen fehlen, mehrere ältere Beschlüsse nicht umgesetzt wurden, eine größere Dachsanierung vorbereitet werden muss und die Unterlagen des Vorverwalters nur teilweise geordnet sind. Für die neue Verwaltung sind das nicht einfach 20 neue Einheiten. Sie muss zunächst einen Zustand herstellen, in dem eine normale laufende Verwaltung überhaupt möglich ist.

Gerade dieser Übernahmeaufwand wird häufig unterschätzt. Selbst bei einem ordentlich geführten Objekt müssen Stammdaten, Verträge, Versicherungen, Bankverbindungen, Beschlüsse, Buchhaltungsbestände und offene Vorgänge übernommen und verstanden werden. Bei einem Problemobjekt steigt dieser Aufwand erheblich. Deshalb begrenzen manche Verwaltungen bewusst die Zahl ihrer Neuaufnahmen: Nicht zwingend der spätere Bestand ist das Problem, sondern die gleichzeitige Einarbeitung in mehrere neue Mandate.

Aus unserer Erfahrung kann es deshalb sinnvoll sein, die Einarbeitung separat zu vergüten – etwa über eine Übernahmepauschale oder, weniger gut kalkulierbar, auf Stundenbasis. Eine realistische Vergütung der Übernahme kann bei schwierigen Objekten den Kreis interessierter Verwaltungen deutlich vergrößern.

6. Auch die Lage des Objekts kann über Zu- oder Absage entscheiden

Ein unterschätzter Faktor ist die geografische Lage innerhalb des bestehenden Verwaltungsbestands. Eine Verwaltung, die bereits mehrere Objekte in einem Stadtteil betreut, kann ein weiteres Haus in unmittelbarer Nähe vergleichsweise effizient integrieren. Objektbegehungen, Handwerkertermine und technische Einsätze lassen sich verbinden, regionale Dienstleister sind bekannt und Fahrtzeiten bleiben gering. Dasselbe Objekt kann 30 Kilometer entfernt deutlich weniger attraktiv sein.

Gerade kleinere und mittlere Verwaltungen bauen deshalb häufig regionale Schwerpunkte oder Cluster auf. Für Eigentümer ist somit nicht nur interessant, ob eine Verwaltung grundsätzlich in der eigenen Stadt tätig ist, sondern wo sich deren bestehender Bestand befindet und wo das Unternehmen weiter wachsen möchte. Diese Information ist über eine klassische Internetsuche kaum zu erkennen.

7. Auch Eigentümer und Beirat werden von der Verwaltung geprüft

Die Bewertung endet nicht beim Gebäude. Eine Verwaltung bekommt häufig schon bei der ersten Anfrage einen Eindruck davon, wie die spätere Zusammenarbeit funktionieren könnte. Ein strukturierter Beirat, klare Ansprechpartner und vernünftige Entscheidungsprozesse können ein Objekt attraktiver machen. Umgekehrt fallen unrealistische Erwartungen manchmal bereits während der Angebotsphase auf.

Kritisch sind beispielsweise Konstellationen, in denen gleichzeitig ein besonders niedriger Preis, jederzeitige telefonische Erreichbarkeit, sehr kurze Antwortzeiten und intensive Einzelbetreuung jedes Eigentümers erwartet werden. Das bedeutet nicht, dass Eigentümer geringe Ansprüche haben sollten. Eine Hausverwaltung trägt erhebliche Verantwortung und muss professionell arbeiten. Leistung, Kommunikationsaufwand und Vergütung müssen jedoch zusammenpassen.

Gerade bei kleinen Gemeinschaften wird dieser Zusammenhang schnell relevant. Eine WEG mit sechs Einheiten erwirtschaftet für die Verwaltung nur einen begrenzten Umsatz. Wenn gleichzeitig mehrere Eigentümer regelmäßig einzeln mit der Verwaltung kommunizieren oder die Gemeinschaft dauerhaft zerstritten ist, kann der tatsächliche Aufwand unverhältnismäßig hoch werden. Eine funktionierende Eigentümergemeinschaft ist deshalb nicht nur angenehm – sie kann bei der Suche nach einer guten Verwaltung ein echter Vorteil sein.

8. Warum kleinere und neu gegründete Hausverwaltungen häufig unterschätzt werden

Viele Eigentümer verbinden Unternehmensgröße und lange Marktpräsenz automatisch mit Qualität. Ein etabliertes Unternehmen kann tatsächlich funktionierende Prozesse, Vertretungsstrukturen und viel Erfahrung bieten. Es bedeutet aber nicht, dass eine kleinere oder neu gegründete Verwaltung schlechter sein muss.

Hinter einer jungen Verwaltung kann beispielsweise ein Immobilienkaufmann oder Immobilienfachwirt stehen, der zuvor zehn oder 15 Jahre in einer größeren Hausverwaltung gearbeitet hat und nun ein eigenes Unternehmen aufbaut. Für Eigentümer kann das sogar einen Vorteil haben: Das Unternehmen befindet sich im Bestandsaufbau und ist tatsächlich an neuen Mandaten interessiert.

Auch neue digitale Anbieter treten verstärkt in den Markt ein und versuchen, Verwaltungsprozesse von Anfang an mit moderner Software, Automatisierung und zunehmend KI aufzubauen. Bei jungen Unternehmen sollte trotzdem genauer geprüft werden, wie stabil die Organisation ist. Relevant sind insbesondere fachliche Erfahrung, Qualifikation, Vertretungsregelungen, Buchhaltung, eingesetzte Software, vorhandene Mitarbeiter und die geplante Wachstumsstrategie.

Gerade der letzte Punkt wird häufig übersehen: Schnelles Wachstum kann selbst zum Risiko werden. Eine junge Verwaltung, die ihren Bestand kontrolliert aufbaut, kann sehr attraktiv sein. Ein Unternehmen, das innerhalb kürzester Zeit möglichst viele Tausend Einheiten aufnehmen möchte, muss dagegen beweisen, dass Personal, Prozesse und Organisation mit diesem Wachstum Schritt halten. Unternehmensalter und Unternehmensgröße sind daher keine ausreichenden Qualitätskriterien.

9. Der bisherige Verwalterpreis sagt wenig über einen neuen Vertrag aus

Auch falsche Preisvorstellungen können die Verwaltersuche erschweren. Eine Eigentümergemeinschaft hat beispielsweise viele Jahre 24 Euro je Einheit bezahlt und möchte diesen Preis beim Verwalterwechsel möglichst beibehalten. Aus Eigentümersicht ist das nachvollziehbar. Für die neue Verwaltung ist dieser Wert jedoch kein verbindlicher Maßstab.

Sie übernimmt nicht den alten Kostenapparat des bisherigen Verwalters, sondern kalkuliert mit heutigen Personalkosten, heutiger Software, Versicherungen und dem aktuellen Verwaltungsaufwand. Ein alter Bestandsvertrag und ein heute neu abgeschlossener Verwaltervertrag sind deshalb zwei verschiedene Märkte.

Die Verwalterentgeltstudie 2026 weist bei neuen WEG-Verträgen je nach Größe durchschnittliche Basissätze von 29,75 bis 47,60 Euro brutto je Einheit und Monat aus. Diese Werte sind keine Preisliste. Region, Leistungsumfang, Objektzustand und Verwaltungsgröße können zu deutlichen Abweichungen führen. Sie zeigen aber, warum eine neue Verwaltung einen möglicherweise seit Jahren zu niedrigen Altpreis nicht einfach fortführen kann.

Quelle: Verwalterentgeltstudie 2026 (BVI/IVD/CRES)

10. Ein hoher Preis kann auch ein Risikoaufschlag oder ein Abwehrangebot sein

Umgekehrt sollte aus steigenden Preisen nicht geschlossen werden, dass jedes teure Angebot automatisch marktgerecht ist. In unserer Marktbeobachtung sehen wir auch Angebote, bei denen eine Verwaltung nur begrenztes Interesse an einem Mandat hat. Das Objekt würde übernommen – allerdings nur zu einer Vergütung, bei der sich zusätzlicher Aufwand oder Risiko für das Unternehmen eindeutig lohnt.

Ein ungewöhnlich hoher Preis kann deshalb verschiedene Ursachen haben: tatsächlich hoher Verwaltungsaufwand, ein kalkulierter Risikoaufschlag, geringe Attraktivität des Mandats oder schlicht die Schwelle, ab der die Verwaltung trotz begrenzter Motivation bereit wäre, das Objekt zu übernehmen. Umgangssprachlich wird letzteres teilweise als Abwehrangebot bezeichnet.

Dabei sollte nicht jedes hohe Angebot vorschnell so eingeordnet werden. Gerade Problemobjekte können objektiv deutlich höhere Kosten verursachen. Der entscheidende Punkt ist vielmehr: Ein einzelnes Angebot definiert noch keinen Marktpreis. Erst mehrere Angebote ermöglichen eine vernünftige Einordnung.

Dasselbe gilt in die andere Richtung. Ein außergewöhnlich günstiges Angebot sollte ebenfalls hinterfragt werden. Entscheidend ist, welche Leistungen im Grundhonorar enthalten sind, welche Tätigkeiten gesondert vergütet werden und ob die Verwaltung genügend Kapazität besitzt, die versprochene Leistung dauerhaft zu erbringen.

Ein sinnvoller Vergleich betrachtet daher mindestens:

  • Grundhonorar und Mindestvergütung
  • enthaltenen Leistungsumfang
  • Sondervergütungen
  • Qualifikation und Organisation
  • tatsächlich verfügbare Kapazität

Der billigste Anbieter ist nicht automatisch der günstigste. Der teuerste ist aber ebenso wenig automatisch der beste.

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11. Was macht eine gute Hausverwaltung überhaupt aus?

Ein weiteres Problem liegt bereits im Begriff „gute Hausverwaltung“. Qualität ist nicht nur eine Frage von Bewertungen oder Unternehmensgröße. Eine fachlich gute Verwaltung sollte qualifiziert und organisatorisch zuverlässig arbeiten, eine funktionierende Buchhaltung besitzen, Beschlüsse tatsächlich umsetzen, Vorgänge nachvollziehbar bearbeiten und wirtschaftlich stabil aufgestellt sein. Ebenso wichtig ist ausreichend Kapazität für den betreuten Bestand.

Selbst wenn all diese Voraussetzungen erfüllt sind, muss die Verwaltung noch zum konkreten Objekt passen. Eine auf große Wohnanlagen spezialisierte Verwaltung kann hervorragend arbeiten und trotzdem die falsche Wahl für eine Gemeinschaft mit sechs Einheiten sein. Umgekehrt kann eine kleine inhabergeführte Verwaltung für diese sechs Einheiten sehr gut geeignet sein, bei einer WEG mit 300 Wohnungen, Tiefgarage, mehreren Aufzügen und umfangreichen Sanierungsprojekten aber an organisatorische Grenzen kommen.

Bei der Suche müssen deshalb Objektgröße, Verwaltungsart, Lage, technischer Zustand, Eigentümerstruktur, Leistungsanforderungen und Geschäftsmodell der Verwaltung zusammenpassen.

Nicht: „Welche ist die beste Hausverwaltung in unserer Stadt?“

Sondern: Welche fachlich gute und zuverlässige Hausverwaltung passt genau zu unserer Immobilie?

12. So erhöhen Eigentümer ihre Chancen bei der Verwaltersuche

Die Marktlage können Eigentümer nicht verändern. Die Qualität ihrer eigenen Suche dagegen sehr wohl. Entscheidend sind vor allem sechs Punkte:

12.1 Frühzeitig beginnen

Wer erst wenige Wochen vor dem Ende der bisherigen Verwaltung sucht, schränkt seine Möglichkeiten erheblich ein. Gute Verwaltungen planen Neuaufnahmen und Mitarbeiterkapazitäten häufig mit Vorlauf.

12.2 Den richtigen Verwaltertyp suchen

Eine kleine WEG sollte nicht ausschließlich die größten Verwaltungen einer Stadt anschreiben. Je nach Objekt können kleinere, regionale oder jüngere Unternehmen wesentlich interessanter sein.

12.3 Eine vollständige Anfrage stellen

Die Verwaltung sollte schnell erkennen können, worum es geht. Dazu gehören insbesondere Objektadresse, Zahl der Einheiten, Baujahr, Verwaltungsart, gewünschter Beginn und wesentliche Besonderheiten.

12.4 Probleme offen ansprechen

Fehlende Abrechnungen, größere Sanierungen oder Konflikte verschwinden nicht dadurch, dass sie während der Angebotsphase nicht erwähnt werden. Transparenz ermöglicht eine realistische Kalkulation und verhindert spätere Überraschungen.

12.5 Realistische Preisvorstellungen haben

Gerade bei kleinen Gemeinschaften können Mindestvergütungen notwendig sein. Der bisherige Verwalterpreis ist dabei nicht zwangsläufig ein sinnvoller Maßstab.

12.6 Übernahmeaufwand gegebenenfalls separat vergüten

Bestehen erhebliche Rückstände oder Altlasten, kann eine Übernahmepauschale den Kreis interessierter Verwaltungen deutlich vergrößern.

Eine gute Verwalteranfrage funktioniert ähnlich wie eine gute Ausschreibung: Die Hausverwaltung muss schnell erkennen können, welches Objekt sie übernehmen soll, welcher Aufwand zu erwarten ist und ob das Mandat zum eigenen Unternehmen passt.

13. Warum mehrere Angebote heute mehr sind als ein Preisvergleich

Gerade in einem angespannten Markt entsteht leicht der Gedanke, Eigentümer müssten froh sein, überhaupt eine Verwaltung zu finden. Trotzdem bleibt ein Angebotsvergleich sinnvoll – und zwar nicht nur wegen des Preises.

Mehrere Angebote zeigen, wie der Markt das eigene Objekt bewertet. Wenn mehrere Verwaltungen unabhängig voneinander auf einen hohen Übernahmeaufwand hinweisen, spricht viel dafür, dass tatsächlich erheblicher Einarbeitungsbedarf besteht. Wenn große Verwaltungen absagen, kleinere regionale Unternehmen aber ernsthaftes Interesse zeigen, gibt auch das einen Hinweis darauf, welcher Verwaltertyp zum Objekt passt. Und wenn ein Angebot preislich deutlich aus dem Rahmen fällt, lässt sich erst anhand weiterer Angebote beurteilen, ob es sich um einen normalen Marktpreis oder einen Ausreißer handelt.

Mehrere Angebote liefern damit Informationen zu verfügbaren Kapazitäten, realistischen Preisen, unterschiedlichen Leistungsmodellen, passenden Verwaltertypen und möglichen Schwachstellen des eigenen Objekts. Gerade weil wir seit vielen Jahren beide Marktseiten sehen, ist dieser Punkt für uns besonders wichtig: Ein Angebotsvergleich ist zugleich eine kleine Marktanalyse für das eigene Verwaltungsmandat.

Über Hausverwalter-Vermittlung.de können Eigentümer ihre Anfrage zentral stellen. Wir sprechen passende Hausverwaltungen an, für die das jeweilige Objekt grundsätzlich interessant sein kann. Je nach Objekt und Region können Eigentümer bis zu sechs Angebote erhalten. Gerade bei sehr kleinen oder problematischen Objekten entstehen nicht zwangsläufig sechs Angebote. Auch das ist letztlich eine Marktinformation.

Der entscheidende Vorteil besteht darin, die Suche nicht auf diejenigen Unternehmen zu beschränken, die Eigentümer ohnehin bei Google zuerst finden.

14. Fazit: Gute Verwaltersuche bedeutet heute vor allem gutes Matching

Der Markt hat sich gedreht. Viele gute Hausverwaltungen können auswählen, welche neuen Objekte sie übernehmen. Besonders kleine, arbeitsintensive oder schlecht vorbereitete Mandate haben deshalb einen schwierigeren Stand. Gleichzeitig fragen Eigentümer häufig ausgerechnet bei den bekanntesten und sichtbarsten Unternehmen an – also bei Verwaltungen, die besonders stark selektieren können.

Die Lösung besteht nicht darin, möglichst viele beliebige Hausverwaltungen anzuschreiben. Entscheidend ist, diejenigen guten Verwaltungen zu finden, zu deren Bestand, Geschäftsmodell und aktueller Kapazität das eigene Objekt tatsächlich passt.

Genau dieses Matching ist heute der Kern einer erfolgreichen Verwaltersuche.

„Gute Verwaltungen sind ausgelastet – aber nicht alle. Mit einer Anfrage vermitteln wir Ihnen Angebote von Hausverwaltungen aus Ihrer Region, die noch Kapazitäten frei haben.“
Dennis Hundt, Gründer von Hausverwalter-Vermittlung.de
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