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Hausflur und Treppenhaus: Hier darf der Mieter abstellen, was er will – Irrtum Nr. 8

Manche Hausflure und Treppenhäuser ähneln einem Parcours für den Hindernislauf. Schuhschränke, Garderoben, Schirmständer, Blumentöpfe, Fahrräder und Kinderwagen säumen den Weg – und den Blick auf mehr oder weniger kitschige Bilder an den Wänden gibt es obendrauf.

Zulässig ist das in der Regel jedoch nicht. Vielmehr dürfen solche Gemeinschaftsflächen nur bestimmungsgemäß genutzt werden.

In diesem Artikel lesen Sie, warum Mieter in Hausflur und Treppenhaus noch lange nicht alles abstellen dürfen.

Der Artikel gehört zur 20-teiligen Serie „Mietrecht: Die 20 größten Irrtümer und Mythen“.

Der Vermieter bestimmt, was zulässig ist

Generell gilt für Hausflure, Treppenhäuser und Kellerzugänge: Gemeinschaftsflächen sollen den Zugang zu Wohnungen bzw. Kellerräume zu ermöglichen. Alles, was über diesen bestimmungsgemäßen Gebrauch hinausgeht, darf andere Mieter weder beeinträchtigen noch stören.

Darüber hinaus hat der Vermieter die Verkehrssicherungspflicht für Gemeinschaftsflächen. Verletzt sich dort also jemand, kann der Vermieter ggf. in Regress genommen werden. Zudem müssen bei Durchgangsflächen aus Brandschutz- und Sicherheitsgründen die Flucht- und Rettungswege frei bleiben.


So ist sicherzustellen, dass bei Notfällen etwa Feuerwehr oder Notarzt möglichst ungehinderten Zugang haben. Auch dürfen in Durchgangsflächen keine brennbaren Materialien oder Gegenstände gelagert werden.

Der Vermieter ist daher berechtigt, im Mietvertrag oder in der Hausordnung den Mietern durch entsprechende Klauseln bestimmte Vorgaben über die Nutzung der Gemeinschaftsflächen zu machen.

Unzulässig: Schuhe, Schuhschränke, Schirmständer, Topfpflanzen und Bilder

Ein Schuh-Sammelsurium hat vor der Wohnungstüre nichts zu suchen. Lediglich bei schlechtem Wetter dürfen Schuhe vorübergehend auf der Fußmatte vor der Wohnungstüre abgestellt werden (Oberlandesgericht (OLG) Hamm, Beschluss vom 04.12.2008, Az.: 15 Wx 168/88). Auch Schuhschränke, Kommoden, Schirmständer oder Garderoben dürfen nicht im Treppenhaus platziert werden (OLG München, Beschluss vom 15.03.2006, Az.: 34 Wx 160/05).

Ferner darf der Vermieter das Aufstellen von (auch kleineren) Blumentöpfen im Treppenhaus untersagen (Amtsgericht (AG) Münster, Urteil vom 31.07.2008, AZ 38 C 1858/08), was auch für das Aufhängen von Bildern gilt; Oster- und Wehnachtsschmuck an der Wohnungstüre sind dagegen erlaubt (Landgericht (LG) Düsseldorf, Beschluss vom 10.10.1989, Az:. 25 T 500/89).

Sonderregeln für Kinderwagen, Rollstühle und Fahrräder

Existiert kein Aufzug oder passt der Kinderwagen nicht hinein, darf der Kinderwagen vorübergehend (also weder nachts noch bei Nichtgebrauch) im Flur abgestellt werden, soweit Fluchtwege frei bleiben (OLG Hamm, Beschluss vom 03.07.2001, Az.: 15 W 444/00). Entsprechendes gilt für Rollstühle.

Das Abstellen von Fahrrädern im Hausflur sowie das Mitnehmen des Rads in die Mietwohnung kann untersagt werden, sofern etwa ein Fahrradkeller vorhanden ist. Ist das nicht so, darf der Mieter das Fahrrad mit in die Wohnung nehmen (LG Hannover, Urteil vom 17.10.2005, Az.: 20 S 39/05).

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